Indien- Jaisalmer: Eine etwas andere Kamelsafari in die Wüste

Unser kleines Wüstenabenteuer in Jaisalmer

Bei der Planung unserer Reise stand fest, dass wir unbedingt von Jaisalmer aus eine Kamelsafari in die Wüste Thar machen möchten. Und das am liebsten als eine private Safari, so dass wir die Wüste ganz alleine genießen können. Über unser Hotel in Jaisalmer, das übrigens das Hotelhighlight unserer Reise war, lief die Buchung und Planung, was tadellos funktioniert hat.

Für mich standen mit der Kamelsafari gleich zwei Prämieren an: zum ersten Mal in die Wüste und zum ersten Mal auf ein Kamel. Ich war also sehr gespannt, was mich erwarten würde. Unser Plan war, eine Nacht alleine unter freiem Himmel in der Wüste zu verbringen und die nächste Nacht in einem kleinen Zeltcamp. Dass das eine verdammt gute Entscheidung war, wussten wir zu Beginn noch nicht.

Zunächst hieß es einen kleinen Rucksack für die zwei Tage zu packen, damit die armen Kamele nicht unser ganzes Reisegepäck tragen müssen. Schlimm genug, dass wir so viel Kameraequipment bei uns haben. Die restlichen Koffer konnten wir im Hotel lassen, was wir bei dieser Luxusherberge auch mit gutem Bauchgefühl gemacht haben.

Bevor es losging wurden wir netterweise noch mit einem großen Wüsten-Care-Paket ausgestattet: Von Knabbersachen bis Toilettenpapier wurde an alles gedacht.

Blick von unserem Hotel in der Fortmauer über ganz Jaisalmer

Von Wüstendörfern, Geisterstädten und Jain-Tempeln

Am Mittag wurden wir endlich mit einem Jeep zur Safari abgeholt. Zunächst stand ein Stopp in einem kleinen Wüstendorf in der Nähe von Jaisalmer an, um etwas über das tägliche Leben der Menschen zu erfahren. Kaum dass wir im Dorf waren, kamen auch schon gleich viele Kinder und Frauen auf uns zugeströmt, die teilweise recht aufdringlich für Fotos posierten und uns ihre Babys in die Kamera streckten. Mir kam das alles mehr wie eine Verkaufsveranstaltung vor und fühlte mich nicht besonders wohl dabei, so dass wir ziemlich schnell wieder weiterzogen. Uns schien es, dass auch die Menschen in den kleinen Dörfern um Jaisalmer ihren Weg gefunden haben, am Tourismus zu verdienen. Vom ursprünglichen Leben in der Wüste haben wir leider auf diesem Wege nicht viel erfahren.

Familie in der Wüste bei Jaisalmer

Der nächste Stopp war ein wunderschöner Jain-Tempel. Wie auch schon in Ranakpur beeindruckte dieser Tempel durch ganz viele kleine Details. Tausende von kleinen Figuren und Geschichten sind in den Wänden und Säulen zu finden. Außer uns war überraschenderweise keine Menschenseele vor Ort, so dass wir die Anlage ganz alleine und in Ruhe genießen konnten.

Ein kleiner Jain Tempel bei Jaisalmer in der Wüste

Schlussendlich haben wir noch einen Halt in Kuldhara, der verlassenen Stadt, gemacht. Hier war definitiv Schluss mit der Ruhe, was schon die am Eingang stehenden Touristenbusse versprachen. Wirklich beeindruckend war die Stadt leider nicht. Viele kleine halb verfallene Häuser und viel Sand. Eher eine Location, die zum Sonnenuntergang sehr interessant sein könnte, aber da wollten wir ja schon in der Wüste sein.

Indien-Rajasthan: Die Geisterstadt Kuldhara

Möge die Kamelsafari starten

Dann ging es endlich zu den Kamelen. In einem kleinen Dorf wurden wir von unserem Guide begrüßt und waren schon sehr beruhigt, als sich ein älterer Mann vorstellte. Im Vorfeld wurden wir leider schon von mehreren Leuten gewarnt, dass wir nicht mit jedem eine Kamelsafari machen sollten. Geschichten von Drogen und Vergewaltigungen kursieren, so dass man besser auf die renommierten Veranstalter zurückgreifen sollte.

Wir haben unseren Guide auf jeden Fall gleich ins Herz geschlossen und waren sehr glücklich, als wir in der tiefstehenden Sonne mit unserer kleinen Karawane in die Wüste geführt wurden.

Zunächst sind wir durch ein Steppengebiet mit vielen Büschen und Sand geritten, wobei wir schon die ersten Springböcke und Adler beobachten konnten, die mehrfach unseren Weg kreuzten.

Fröhlich schaukelnd kommen die in der Ferne leuchtenden Sanddünen immer näher bis wir plötzlich mittendrin sind. Wir passieren einige wenige andere Kamelsafaris und befinden uns schlussendlich mitten im sandigen Nirgendwo. Genau hier wird dann auch das Lager aufgeschlagen.

Unser Guide hatte schon auf dem Weg fleißig Holz gesammelt und zaubert gleich ein kleines Feuer. Die bescheidenen Bettlaken werden ausgebreitet und unser kleines Lager nimmt plötzlich Form an. Wie kleine Kinder rennen wir unterdessen in die Sanddünen und freuen uns an dem schönen Sonnenuntergang. Kleine Schäfchenwolken säumen den Horizont und die Wüste erstrahlt in wunderschönen Farben. Ein absoluter Traum!

Kamelsafari beim Sonnenuntergang
Sonnenuntergang bei der Kamelsafari in Jaisalmer

Über uns Millionen von Sternen

Mit der Dunkelheit wird es schlagartig kalt und wir rücken immer dichter an das Feuer heran während unser Guide ein Menü zaubert. Am Ende ist unser Teller voll und das Essen mindestens so gut wie im Restaurant. Wir sind schwer beeindruckt, wie er das mit so einfachen Mitteln geschafft hat. Nachdem die Teller mit Sand „abgespült“ wurden, müssen wir sehr schmunzeln als unser Guide schnell seine Familie mit dem Handy anruft, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Auch in der Wüste sind die modernen Zeiten angekommen, worüber unser Guide sehr froh ist.

Über uns erstrahlen langsam Millionen von Sternen und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Der gesamte Himmel scheint zu leuchten. Während das Feuer langsam niederbrennt erzählt unser Kameltreiber Geschichten über Götter und die Sternbilder. Wir lauschen andächtig und können den Blick kaum vom Himmelszelt wenden.

Lagerfeuer in der Wüste bei Jaisalmer

In der Wüste regnet es nicht, oder?

Als wir langsam müde werden schlüpft Chris in die Decken und ich in meinen Schlafsack, den ich mir bis zur Nasenspitze zuziehe. Jeder der ambivalente Gefühle zu Tieren mit mehr als 4 Beinen hat, kann mich sicher gut verstehen. Überall krabbeln Skarabäen herum, die ich auf keinen Fall in meinem Gesicht wiederfinden möchte. Glücklicherweise ist es Winter, so dass wir uns zumindest um Skorpione oder Schlangen weniger Sorgen machen müssen.

Mitten in der Nacht werden wir überaschenderweise von Regen geweckt und fragen uns was los ist. Im Vorfeld der Kamelsafari haben wir noch gescherzt, dass es hier laut Reiseführer kaum regnet. Hätten wir das mal lieber nicht gemacht! Zum Glück nur ein kurzer Schauer und wir schlafen weiter. Um vier Uhr fängt es dann leider an, richtig zu schütten, so dass wir mit unserem Guide hinter eine andere Düne flüchten, bei der eine Plastikplane gelagert ist.  Mit alten Bettgestellen und unseren Kamerastativen wird diese kurzerhand zu einem provisorischen Zelt umfunktioniert. Nicht schön aber immerhin trocken.

Ziemlich gerädert stehen wir am nächsten Morgen auf und müssen feststellen, dass es immer noch regnet und der Sonnenaufgang wortwörtlich ins Wasser gefallen ist. Gelassen macht unser Kameltreiber erstmal ein Feuer unter der Plane und räuchert uns komplett zu. Immerhin gibt es dann einen heißen Masala-Tee, an dem wir uns schön aufwärmen können. Ehrlicherweise sind wir sehr froh, dass wir später von einem Jeep abgeholt werden und nicht auf nassen Kamelen im Regen heimreiten müssen. Für irgendwas muss das Handy ja doch gut sein.

Zeltcamp bei der Kamelsafari in Jaisalmer

Die luxuriösere Variante in der Wüste

Den restlichen Tag verbringen wir in dem schönen Wüstencamp Pal Rajah Resort  in einem großen Zelt mit Badezimmer und einem richtigen Bett mit Kissen. So nass, verfroren und verräuchert wie wir waren kam es uns wie eine Luxusherberge vor. Wir wurden hier gut verpflegt und abends gab es noch eine kleine Vorführung mit traditioneller Musik und Tanz, was auch sehr interessant war. Da das Wetter weiterhin ziemlich wüstenuntypisch war, haben wir gerne auf einen weiteren Kamelausflug verzichtet…

Wüstencamp in Rajasthan
Kamel ein der Wüste Thar bei Jasisalmer

Unser Fazit: Wer in Jaisalmer ist sollte unbedingt eine Kamelsafari in die Wüste planen. Der nächtliche Blick in den Sternenhimmel ist einfach nur einmalig!

Fort and Dunges Hotel Khimsar

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